„Soll ganz in meine Hände passen“

2016

Abstract

Flurina Affentranger


Mentorat: Ruth Kunz und Jacqueline Baum

Bewegt von Beobachtungen, wie Hände Material berühren, es halten und formen, widmet sich die Forschungsarbeit der Bedeutung der haptischen Wahrnehmung im plastischen Gestaltungsprozess. Wie spielen die Hände mit einer im Entstehen begriffenen Plastik zusammen? In welcher Weise ist das fortwährende „In-Bewegung-Sein“ der Hände an der Formung beteiligt? 
Für die Arbeit wurde ein Forschungssetting entwickelt, das visuelle Methoden der Datenerhebung mit sprachlichen kombiniert. Die videografischen Aufzeichnungen einer Actionkamera, die während des Gestaltungsprozesses auf der Stirn getragen wurde, machen beobachtbar, was sich im Prozess ereignet. Sie vermitteln dem Betrachter den Blick auf die arbeitenden Hände und das Werkstück, wie ihn auch die gestaltende Person selbst erlebt. Aus einem Seifenblock entsteht in subtraktivem Vorgehen ein abstrakter, organisch geformter Körper. Texte, die unmittelbar nach der plastischen Arbeit von den Teilnehmenden verfasst wurden, formulieren aus reflexiver Perspektive eine Innensicht auf den erlebten Gestaltungsprozess.
Die  Auswertung der Daten orientiert sich an hermeneutischen und qualitativ-empirischen Methoden. Sie bringt jene Aussensicht, die sich in den videografischen Aufzeichnungen zeigt in einen Dialog mit der Innensicht, die sich in den Texten formuliert. Aus diesem Dialog entsteht ein Spannungsfeld, dem für die Erkenntnisgewinnung fruchtbare Momente entwachsen. Der entstehende Körper beginnt sich im Prozess langsam in die Hände einzupassen. Diesem engen Kontakt zwischen Werkstück und Händen und der  Wahrnehmung der konvexen und konkaven Formtendenzen entspringt ein responsives Handeln der Hände, das den Formprozess zu leiten beginnt. Es wird ein leiblicher Bezug zum Werkstück beobachtbar, der für den plastischen Gestaltungsprozess von relevanter Bedeutung ist. 

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