Der Amsel gehörend

2014

Abstract

Gisela Stöckli, in Zusammenarbeit mit Martina Maurer

Mentorin Theorie: Ruth Kunz 
Mentorin Praxis: Daniela Keiser

Video / Audio Installation 

Am 17. Februar 2008 wurde vom kosovarischen Parlament die Unabhängigkeit der  Republik Kosovos erklärt. Mit dem Bilden eines neuen Staates geht das Bilden eines neuen, nationalen Bewusstseins einher. 
Das Land befindet sich im Prozess der Nationenbildung. Aus einzelnen - teilweise durchaus kritisch gegenüberstehenden ethnischen Gemeinschaften - soll eine kollektive Identität erschaffen werden. Ein neuer Staat braucht eine neue Flagge. Diese wurde im Kosovo mit dem Tag der Unabhängigkeit eingeführt. Seit sechs Jahren wird also die kosovarische Bevölkerung mit ihrem neuen Hoheitssymbol konfrontiert.

Für die Arbeit 'Der Amsel gehörend' reisten wir im April diesen Jahres  mit einem Feuerzeug, dessen Aufdruck diese neue Flagge ist, in den Kosovo.

Das Sprechen mit der lokalen Bevölkerung über das Feuerzeug - und somit über die Flagge Kosovos - ermöglicht einen vielschichtigen Einblick in den momentanen Zustand des Landes und dessen Bevölkerung. Das Feuerzeug evoziert Fragen über die Bedeutung des Symbols sowie die Haltung gegenüber des Aufdrucks. Dadurch, dass die Gespräche über dieses alltägliche Objekt eingeleitet wurden, konnten auch politische - und teilweise durchaus heikle Themen - diskutiert werden. 

Die Audiospur der Installation spricht über diese Thematik, indem Interviewauszüge selektiv wiedergegeben werden, während die Bildebene assoziativ eine Suche nach der Amsel zeigt. Diese ist der Namensgeber des Landes; der Stamm des Wortes kommt aus dem Serbischen. Kos bedeutet Amsel, Kosovo ist besitzanzeigend, also 'der Amsel gehörend'. Zudem wird mittels Videos über Organisation und Struktur eine Choreografie, welche weder in Raum noch Zeit klar verortbar ist, erfahrbar gemacht. Das Zusammenspiel von Bild- und Audiomaterial ermöglicht den Betrachtenden Zugang zu Themen der Nationen- und Identitätsbildung und dadurch zur aktuellen Thematik des jüngsten Staates Europas.

Im theoretischen Teil der Arbeit werden die Interviews - mit sozialwissenschaftlicher Herangehensweise - aufgearbeitet und analysiert. Das Buch kann als Ergänzung sowie eigenständiges Werk gelesen werden und zeigt, wie im Sprechen über Embleme die Spannung zwischen einer neuen, politisch dringlichen Identität und einer kulturell tief verwurzelten fassbar wird. 

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