Devotio

2017

Abstract

Nora Bratschi
Kontakt: 

Praxismentoren: Cécile Hummel, Stefan Sulzer
Theoriementor: Andi Schoon


Religion ist der Umgang mit dem transzendenten Gott, der in einer übersinnlichen Wirklichkeit existiert und sich der sinnlichen Wahrnehmung entzieht. Das Überirdische vollzieht sich auf einer abstrakten und unfassbaren Ebene. Religion wird aber erst durch die sinnliche Darstellung erfahrbar. Die Manifestation des Übernatürlichen im Materiellen deckt die Sehnsucht sich dem Glauben auch materiell und visuell zu versichern. Sonst verliert sich das religiöse Gefühl in Unbestimmtheit. Wenn sich das Heilige in einem Gegenstand offenbart, bleibt dieser er selbst und wird gleichzeitig in eine andere Wahrnehmungsebene transferiert. Er wird das Unfassbare an sich. Ist diese heilige Aura nun eine Eigenschaft des Objektes oder wird sie im Auge des Betrachters gebildet? Der Wandel von Wahrnehmung findet nicht nur in der Religion, sondern auch im Kunstkontext statt. In beiden Fällen wird eine gewisse Ehrfurcht oder ein Andachtsmoment erzeugt. Die Kunst ist seit jeher Bestandteil des religiösen Kults und wird selbst Gegenstand religiöser Verehrung. Wie die Religion bietet auch die Kunst den Menschen mögliche Wahrheiten und Alternativen. Der Akt der Kunst gleicht einem religiösen Ritual. Beides sind Handlungen, die Körper und Geist vereinen und ein anderes Bewusstsein generieren.