Die interkulturellen Sommerwochen - Swiss Art Education meets Bosnia

2015

Abstract

Yasmin Mattich



Mentorat: Ursula Jakob 
Jahr: 2015 (16. Juli - 17. August)
 

Ein interkulturelles Projekt zwischen der Schweiz und Bosnien mit Unterstützung der freiwilligen Organisationen IKJF und Narko-Ne und in Zusammenarbeit mit der Hochschule der Künste Bern

Die «Interkulturellen Sommerwochen» ist ein interkulturelle Projekt zur Jugendförderung zwischen der Schweiz und Bosnien-Herzgowina. Eine Gruppe von sechs Schweizer Studenten der Kunsthochschulen Zürich, Bern und der PH Luzern reisten für vier Wochen in die mittelbosnische Kleinstadt Novi Travnik, um gemeinsam mit fünfzehn freiwilligen Jugendlichen aus der Stadt und Umgebung kreative Freizeitangebote für die Kinder (5-12 Jahre) zu gestalten. Durch das Anleiten der Jugendlichen wurden zum Thema «Express your identity - me and my environment» verschiedene Workshops in den Bereichen Kunst, Experiment und Sport erarbeitet und realisiert. Bei der Durchführung der Workshops nahmen wir Schweizer Studenten vor allem die Funktion als Mentoren ein und unterstützen die Jugendlichen als Experten mit pädagogischem und künstlerischem Hintergrund bei der Konzeption und Realisation der Workshops. Durch die Einführung in grundlegende Organisationskonzepte wurden die bosnischen Jugendlichen in ihren Kompetenzen als verantwortungsbewusste Vermittler geschult. Gleichzeitig sollte anhand eigener künstlerischer Projekte neue Zugänge für einen experimentiellen Umgang mit alltäglichen Medien geschaffen werden.
Während dem ganzen Projekt stand dabei eine Vermittlung im Fokus, die nicht nur den Spagat zwischen den beiden Kulturen zu meistern versuchte, sondern vor allem auch als Mittel zur Förderung von Team- und Führungskompetenzen der Jugendlichen in Einsatz kam.

Innerhalb der ganzen Projektdauer erfolgte im gesamten eine Vermittlung auf verschiedenen Meta-Ebenen: 

a) Vermittlung von künstlerischen Inhalten
Die Vermittlung von künstlerischen Inhalten bezieht sich einerseits auf die Kinder-Workshops und die somit verbundenen sprachlichen Barrieren, andererseits aber auch auf die Art und Weise, wie die eigenen, von der Ausbildung mitgebrachten «Visionen» von künstlerischen Ansätzen, den Jugendlichen auf eine lustvolle Art und Weise vermittelt werden konnten. Um die Jugendliche für einen offenen Umgang mit experimentielleren Herangehensweisen und künstlerischen Techniken begeistern zu können, war es wichtig, diese auch für die Volunteers erfahrbar zu machen. Das freie Nachmittagsprogramm wurde deshalb von einem - eigens für die Jugendlichen konzipierten - Workshops dominiert, in denen selbstständig eigene künstlerische Projekte umgesetzt wurden.
Im Umgang mit Medien Film, Fotografie, Land-Art und Zeichnung setzten sich die Jugendlichen zum Thema «Express your identity - me and my environment» mit ungewohnten Arten der Beobachtung und Freizeitbeschäftigung auseinander. Um den Volunteers einen leichteren Zugang zu experimentiellen Ansätzen zu ermöglichen, wurde Wert darauf gelegt, die Projekte in Bezug zu den Volunteers und ihrer Umgebung zu setzen. Aktuelle jugendspezifische Themen, wie beispielsweise das Selfie, aber auch vertraute Medientools, wurden dabei neu interpretiert und in die Projekte miteinbezogen.
Durch die Projekte lernten die Jugendlichen auf eine vielfältige Art und Weise, ihre Stadt und nahe Umwelt zu beobachten und zu dokumentieren: Es wurden Kurzfilme über die Thematik der persönlichen Hobbies gedreht, mit ungewohnten fotografischen Perspektiven experimentiert oder sich in der Stadt mit der Handykamera auf die Suche nach unterschiedlichen Arten von Logos und Schrifttypen gemacht. Neben dem Ziel einer Sensibilisierung der eigenen Beobachtungsweise, sollte den Jugendlichen gleichzeitig neue Zugänge zu alltäglich verwendeten Medien, wie beispielsweise das Handy, geschaffen werden. 

b) Vermittlung von Organisationskonzepten und pädagogischen Visionen
Während den Kinder-Workshops übernahmen hauptsächlich die Jugendlichen die Leitung durch das Programm. Damit wurde das Ziel verfolgt, die Volunteers in ihren Team- und Führungskompetenzen zu fördern. Die Nachmittage wurden hauptsächlich dazu genutzt, um die Volunteers in grundlegende didaktische Organisationskonzepte einzuführen (Timetable, Zeitmanagement, thematische Kontinuität etc.). Als Personen mit vorwiegend pädagogischem und/oder künstlerischem Hintergrund nahmen wir Studenten gezielt die Position als Mentoren ein: Mit verschiedenen Inputs versuchten wir die Jugendlichen in Bezug auf Vermittlungsfragen zu schulen und sie bezüglich eines sinnstiftenden Aufbaus innerhalb der  einzelnen Kinder-Workshops zu sensibilisieren. Dabei bildete die gemeinsame Reflexion einen wesentlichen Bestandteil: Jeweils im Anschluss der Kinderworkshops erfolgte in Kleingruppen eine Diskussion und Auswertung der gesammelten Beobachtungen und Erfolge, bwz. Misserfolge.
Im fortschreitenden Ablauf der interkulturellen Sommerwochen gewannen die Volunteers in ihrer Funktion als Leiter der Kinder-Workshops kontinuierlich an Sicherheit und Routine. Aufgrund ihrer stetig wachsenden Sammlung an Erfahrungen und Formen von Vergleichsmöglichkeiten erkannten die Jugendlichen vermehrt die Wichtigkeit von inhaltlichen Zusammenhängen und das Sicherstellen einer gewissen Kontinuität innerhalb der einzelnen Workshop-Teile.

c) Vermittlung zwischen unterschiedlichen Kulturen und Interessen 
Während des Projekts stiess ich als Vermittlerin immer wieder auf kulturelle Hürden, seien es sprachliche Barrieren oder persönliche Interessensdifferenzen der Jugendlichen, sowie innerhalb unseren studentischen CH-Teams. Aus diesen Gründen war es wichtig, nicht nur den interkulturellen Austausch zwischen mir und den bosnischen Jugendlichen zu fördern, sondern auch innerhalb unserer schweizerischen Gruppe eine intensive Kommunikationskultur zu pflegen, in der jegliche Form von Meinungsaustausch Platz fand. Die Fähigkeit, Kompromisse einzugehen und die Kompetenz, im Team Entscheidungen zu fällen und nach Lösungen zu suchen, ist nur eines meiner vielen persönlichen Lernfazite dieses Projekts. 

Ausgewählte Bibliografie 

  • MaryAnn F. Kohl, Die Kunst-Ideen-Kiste für Kinder. Kreativ experimentieren mit neuen Techniken. Mühlheim an der Ruhr: Verlag an der Ruhr 2005. 
  • Fiona Danks, Werkstatt Natur. 101 Ideen zum Spielen Gestalten und Werken. Aarau: AT-Verlag 2010. 
  • Ute & Tilman Michalski, Kreatives Gestalten. Malen, Zeichnen, Drucken, Filzen. Ravensburg: Ravensburger Buchverlag Otto Maier 2005. 

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