Einfach schön

2011

Abstract

Sarah Stocker

Mentorinnen:
Susanne Kudorfer und Jacqueline Baum

Das Geschmacksurteil steckt in der Kunstsphäre in einem Dilemma: Während der Geschmack als Kategorie unter Kunstfachleuten nicht akzeptiert bis verpönt ist, so existiert der Anspruch an Kunst, schön zu sein oder zu gefallen von Seiten eines Kunstpublikums. Als Kunstvermittlerin befinde ich mich an einer ‘heissen’ Stelle zwischen diesen beiden Polen.

Nicht der Anspruch die Wahrheit der Begriffe „Geschmack“ und „schön“ aufzudecken stand im Fokus meiner Arbeit, sondern ein Erforschen des Stellenwerts und Potenzials des Geschmacksurteils in der Auseinandersetzung mit Kunst.

Auf drei Arten wurde dies erforscht: Teilnehmende Beobachtung von Kunstvermittlungsformaten, qualitative Befragung von Fachleuten aus dem Bereich Kunst und Publikum, und - zentral - Zweiergespräche im Museum vor ausgesuchten Kunstwerken. Mit der Frage, wie das (von mir vermutete) Potenzial des Geschmacksurteils in der Kunstbetrachtung ausgeschöpft werden kann, habe ich beobachtet was passiert, wenn ich als Kunstvermittlerin BesucherInnen ohne professionellen Kunsthintergrund explizit nach ihrem Geschmacksurteil befrage. Wie wird über das Geschmacksurteil gesprochen? Welches Vokabular findet dabei Verwendung? In welchen Zusammenhang wird der Geschmack gestellt? Und vor allem: Was passiert in der Betrachtung, in der Begegnung mit dem Kunstwerk, wenn mit diesem eingeschränkten Blick geschaut wird? Wie weit kann das Thematisieren des intuitiven Geschmacksurteils führen?

Zwei Videosequenzen dieser Gespräche – einmal die Reaktionen auf „schön“, einmal die auf „nicht schön“ – wurden in der Ausstellung von einer Tonspur ergänzt, durch welche die Kontroverse von „Geschmack“ in der Kunst erfahrbar wurde.

Video:
„schön“, 18:25 min
„nicht schön“, 17:10 min

Audio:
„kontroverse“, 9:53 min