Göscheneralp

2013

Abstract

Simone Hofmann



Mentorat: Jacqueline Baum, Theres Roth-Hunkeler

Eine alte Fotografie aus dem Nachlass der Grosseltern diente als Ausgangspunkt für die Arbeit. Diese Aufnahme zeigt das Dorf der Göscheneralp, welches vor rund fünfzig Jahren einem Stausee weichen musste. Möglichst exakt an der Stelle, wo am 28. Juli 1954 die Fotografie aufgenommen worden war, wurde nun in einer fixen Einstellung der Stausees gefilmt.
In einer Montage wird nun dieses Seestück sichtbar, man hört ein fernes Rauschen. Eine männliche Stimme erzählt die Geschichte des verschwundenen Dorfes. Der Text beschreibt aber auch eine anderes Verschwinden, einen Einschnitt, geschehen in jüngster Gegenwart: Ein Mensch ist weggerückt aus dem Blickfeld. Wie vom ursprünglichen Zustand der Alp, bleiben auch von der verschwundenen Person die Bilder, die fast körperlichen Erinnerungen, die sich mit der wilden Landschaft verbinden. Etwas hat sich ereignet und verändert. Im Verlauf der Erzählung wird die alte Fotografie des Dorfes sichtbar. Die schwarz-weisse Bergkette verbindet sich mit der neuen farbigen Filmaufnahme. Es ist die gleiche Bergkette. Vergangenheit und Gegenwart verbinden sich auf Bild- und Textebene. 
In der Videoarbeit verbindet sich somit ein historisch-dokumentarisches Ereignis mit einer ganz persönlichen Erfahrung. Um welche Erfahrung es sich handelt, bleibt bis zuletzt offen, doch der Verlust und die daraus entstandene Lücke sind spürbar.