Kodacolor Gold 200

2014

Abstract

Anna-Lena Schroers

Praxis Mentorat: Jacqueline Baum und Theres Roth-Hunkeler
Theorie Mentorat: Maren Polte

Als Ausgangslage für die Installation Kodacolor Gold 200 dienten zwanzig Fotoalben. Die gesammelten und sortierten Fotografien repräsentieren gutbehütete Kindheiten aus den 1990er Jahren. Sie zeigen eine bestimmte Gesellschaftsschicht, deren Wohlstand und deren technischen Standard. 

Ausgewählte Fotografien werden an eine Wand projiziert:  Kinder im Planschbecken, Kinder vor dem Weihnachtsbaum, Kinder auf dem Dreirad, Kinder auf Skis, Kinder beim Wandern – die Motive der Fotografien wiederholen sich, bloss die Protagonisten ändern. Parallel zu den projizierten Bildern sind über Kopfhörer Bildbeschreibungen zu hören. Die Texte sind nüchtern und kurz, sie scheinen das jeweils gezeigte Bild zu beschreiben. Während ähnliche Bilder nacheinander aufleuchten, wiederholen sich mit fast identischem Wortlaut die Sätze. Bei genauem und längerem Zuhören wird klar, dass Ton- und Bildebene nicht immer kongruent sind. Einzelne Bilder bleiben unkommentiert, bei anderen scheint die Beschreibung nicht ganz zu passen. Kleine, feine Unterschiede und Ungereimtheiten lassen die Frage nach der Austauschbarkeit und Individualität der projizierten Fotografien und somit auch der gezeigten Kindheiten aufkommen. 

Gesellschaftliche Strukturen und kollektive Vorstellungen von Kindheit werden in den Fotografien wahrnehmbar und durch die Texte hinterfragt. Kodacolor Gold 200 spielt zugleich mit den Erwartungshaltungen an das Medium Fotografie wie auch mit den Erwartungshaltungen einer bestimmten Gesellschaftsschicht an das familiäre Leben. 

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