Wahrnehmen und wahr nehmen.

2016

Abstract

Pamela Gardi
Mentorat: Urs Gehbauer und Alena Nawrotzki

Und wie siehst du? Die Frage, wie blinde Menschen visuelle Kunst wahrnehmen können, motivierte mich dazu, unterschiedliche Zugänge über andere Sinne als das Sehen zu entwickeln. In der Zusammenarbeit mit dem Migros Museum für Gegenwartskunst in Zürich setzte ich mir zum Ziel, das abstraktes Bild Akt und Adler von Georg Baselitz für Blinde Menschen erfahrbar zu machen. Über Interviews mit blinden und sehenden Personen war es möglich, einen Überblick über die Ansprüche an eine Vermittlung einer abstrakten Malerei zu gewinnen. Gemeinsam mit meinen Interviewpartnern entwickelte ich kleine Vermittlungsformate, welche zum Ziel haben, sowohl blinde, als auch sehende Personen für ihre eigene Wahrnehmung zu sensibilisieren. Diese wurden dann über sich wiederholende Interviews getestet und reflektiert.

Teil 1
Museumsbesucher beschreiben mündlich und direkt vor der Malerei Akt und Adler im Migros Museum in Zürich ihre Wahrnehmung dieses Bildes. Über ein Audioaufnahmegerät werden diese Beschreibungen aufgezeichnet, es entsteht eine Bibliothek von unterschiedlichsten Bildbeschreibungen und unterschiedlichen Wahrnehmungen. Ziel der verschiedenen Bildbeschreibungen ist es, dass eine blinde Person über die unterschiedlich ausführlichen Beschreibungen eine detailliertere Vorstellung von der Malerei bekommt.
Die Bildbeschreibungen werden von blinden Personen angehört und beurteilt.  Über einen Fragebogen soll die Qualität der Bildbeschreibungen und die Idee dieses Vermittlungsformats geprüft werden.
 
Teil 2
Sehenden Menschen, welche die Malerei Akt und Adler nicht kennen, wird die Bibliothek der Audio-Bildbeschreibungen zur Verfügung gestellt. Ihre Aufgabe ist es, das über die Tonaufnahmen gewonnene „innere Bild“ in eine Malerei zu übersetzen.
In Interviews werden die Tonaufnahmen und die Malerei reflektiert. Die Personen haben die Möglichkeit, die Bildbeschreibungen mit der Malerei von Baselitz zu vergleichen und somit mögliche Probleme der Bildbeschreibung ausfindig zu machen.
 
Teil 3

Eine Materialauswahl wird in kleinen Stoffsäcken als Tasterlebnis erfahrbar gemacht. Über Fragen zur Wahrnehmung dieser Materialien, wird die tastende Person gezwungen, sich auf ihre Wahrnehmung zu konzentrieren. Den Materialien sollen Farben, Assoziationen und Adjekive  zugeordnet werden. Diese Zuordnung eröffnet eine Diskussion zum Thema Haptik und zur persönlichen Wahrnehmung.

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