Wertewerkstatt

2012

Abstract

Selina Lauener

Mentorin: Jacqueline Baum

5.-9.Juni 2012 im Wankdorf Center in Bern, fortgeführt an der Hochschule der Künste in Bern, Fellerstrasse 11, 15.-30.Juni 2012

Werte werten
Wertigkeit, Wertpapier, Grundwerte, wertlos, liebenswert, Werturteil. Der Begriff  "Wert" hat Hochkonjunktur‚ besonders in Zeiten einer Wirtschaftskrise‚ und wird wie ein Modewort in allen möglichen Situationen benutzt. Gesellschaftliche Werte können sich nur durch einen ununterbrochenen Aushandlungsprozess bilden. Für die Entstehung und Änderung der gesellschaftlichen Werte ist der Dialog über Werte grundlegend.
Mit meiner Arbeit versuche ich einen Denkraum zu schaffen, um über Werte nachzudenken und mit anderen in einen Wertedialog zu treten, zuerst in der Form eines Workshops und später als partizipative Installation in einem Einkaufszentrum in Bern.


Workshop
Mit einer Gruppe von 12 Personen im Alter zwischen 20 und 80 Jahren mit verschiedenen sozialen und beruflichen Hintergründen wurde in einer kreativen, lockeren Atmosphäre über Werte diskutiert. Bei einem gemütlichen Nachtessen gingen die Gespräche weiter. Jeder konnte diejenigen Fragen einbringen, die ihn rund um das Thema Werte beschäftigten. Am Schluss wurden kurze Statements und Fragen formuliert, die die wichtigsten Ergebnisse aus den vorangegangenen Wertediskussionen zusammenfassten. Diese Statements und Fragen figurieren als Teil der Installation im Wankdorf Center (Diaprojektionen).


Einkaufszentrum
In einem Einkaufszentrum geht es andauernd um Werte. Es ist ein Raum voller Wertobjekten, die alle gekauft werden sollen. Künstliches Licht durchflutet den Raum, die Hintergrundmusik berieselt uns und die Waren leuchten in allen Farben. In dieser reizüberfluteten Umgebung soll die Installation einen Denkraum schaffen, um über das Thema Werte in all seinen Dimensionen nachzudenken. Die einseitige Besetzung des Wertbegriffs im Raum Einkaufszentrum soll in dieser Weise durchbrochen werden.
Die Fragen aus dem Workshop sind auf Sitzüberzüge gedruckt und über die Polster der im Einkaufszentrum verteilten Sitzgelegenheiten gestülpt. Sie dienen als erste Irritation. Einige Menschen werden sie wahrnehmen, viele werden auch achtlos daran vorbeigehen. Bei manchen werden die Fragen Antworten im Kopf hervorrufen. Wenn sich jemand auf eines der Sitzkissen setzt, bringt er die Frage vorübergehend zum Verschwinden.

Wertewerkstatt
Die eigentliche Wertewerkstatt befindet sich auf einer der Flächen für temporäre Verkaufsstände im Einkaufszentrum. Was macht Ihr Leben wertvoll? Was bräuchte mehr Wertschätzung? Was ist überbewertet? Zu diesen Fragen können die Passanten ihre Gedanken und Ideen abgeben. Die Antworten drucke ich im Bleisatz mit einer Andruckpresse auf Taschentücher und Servietten. Der Buchdruck im Bleisatz-Verfahen war für die Verbreitung von Wissen ungemein wichtig, heute ist die Technik beinahe ausgestorben. Es ist die Inszenierung einer Werkstatt an einem Ort, an dem nur noch verkauft, aber nichts mehr produziert wird. Sie ist etwas Anachronistisches; ein Fremdkörper, der Aufmerksamkeit generiert.
Taschentücher und Servietten sind wie die individuellen Werte sehr persönliche Gegenstände. Sie dienen dazu unseren Mund und unsere Nase abzuwischen. In ihrer Benutzung und Auf-bewahrung sind sie eng mit unserem Körper verbunden. Diese persönlichen Stofffetzen hänge ich an Bettdecken, die aus ihrer horizontalen Lage gehievt wurden und nun vertikal im Raum hängen. Nach und nach verdichten sich die einzelnen Stofffetzen zu einem Patchwork, wie sich auch die vielen individuellen Werte zu einem Patchwork der gesellschaftlichen Werte verdichten.
Im Tausch für die Abgabe der eigenen Werte erhalten die Personen das Exemplar eines bereits gedruckten Wertes ihrer Wahl. Werte können getauscht, mitgenommen und übernommen werden. Ein Werteaustausch.

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